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Das Märchen vom zehnten Bauern

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heute bekam ich eine Mail von meiner "Mondfrau", vielleicht kennt Ihr sie: Johanna Paungger-Poppe und Thomas Poppe
und natürlich will ich Euch das nicht vorenthalten. Bitte lest es Euch durch, und Euer Leben wird sich verändern:

Es war einmal, keine tausend Meilen von hier, da lebte ein Bauer, der weithin dafür bekannt war, außergewöhnliche und ganz eigene Wege zu gehen. Gesegnet mit besonderen Fähigkeiten, mit der Gabe des Weitblicks und des Tiefblicks konnte er alle Dinge gleichsam „zusammen“ sehen - Sommer und Winter, nasse Felder und trockene Steppen, reiche Ernten und magere Jahre, Nutzpflanzen und Schädlinge. Hinter allen Gegensätzen und Widersprüchen erkannte er die Einheit, das Verbindende, den verborgenen Sinn hinter dem scheinbar Sinnlosen. „Das Glück im Unglück“ war ihm vertraute Wirklichkeit.

Sein Tun war beseelt von einer tiefen Liebe zu allem, was lebte und wuchs, was atmete und reifte. „Natur“ war für ihn nur ein anderes Wort für „Geschenke Gottes“. Das Wort „Machet Euch die Erde untertan“ hatte er stets verstanden als Aufforderung zu Miteinander und Dankbarkeit - nicht als Weisung, Mensch und Natur zu unterwerfen.
Er war stolz darauf, als Bauer leben zu dürfen, und empfand es als Geschenk, als fast unverdientes Privileg, aller harten Arbeit zum Trotz. Das Gefühl bevorzugter Behandlung durch das Schicksal bezeugte er im Alltag durch große Bescheidenheit und unaufdringliche Freundlichkeit. Er war ein Ruhepol mitten in einem unruhigen Meer, das bang darauf wartete, ob der Sturm am Horizont sich verziehen würde - oder doch nicht. Er war mit sich im Reinen.
Eine grenzenlose Neugier auf alle Dinge zwischen Himmel und Erde feuerte ihn an - wie sie uns doch allen zu eigen ist, wenn wir ihr nur Raum zur Entfaltung geben. „In hundert Jahren haben wir genug Zeit zum Schlafen“, sagte er seiner Familie stets, wenn alle wieder einmal große Augen machten, weil er etwas Neues ausprobierte – eine besondere Züchtung, eine neue Technik, einen neue Anwendung für altes Wissen.


Manchen Menschen, die ihn nicht so gut kannten, war er ein wenig unheimlich, denn er konnte offenbar in vieler Hinsicht in die Zukunft blicken. Vor allen Dingen konnte die Wirklichkeit hinter dem Schein, das Echte hinter den Kulissen erfühlen, die Wahrheit hinter den Lügen und der Propaganda erkennen. Diese Fähigkeit war ihm selbst ein wenig rätselhaft, denn sie offenbarte sich fast immer als leise Stimme in seinem linken Ohr. Diese leise Stimme übersetzte dem „Zehnten Bauern“ (wie wir ihn nennen wollen) unmittelbar und mit einfachen Worten, was das jeweilige Gegenüber in Wahrheit sagen wollte. „Meinen kleinen Übersetzerfreund“ nannte er diese Stimme, wenn er mit ihr sprach. Sie gab ihm auch das Gefühl, die unsichtbaren Fäden sehen zu können, an denen andere Menschen hingen, wenn sie Lügen verbreiteten oder wenn sie gesteuert von unsichtbaren Auftraggebern oder Herrschern ihre Reden schwangen. War der jeweilige Gesprächspartner aufrichtig, dann schwieg der Übersetzer - oder er murmelte leise: „Das ist aber schön!“ Bekam der Bauer Lügen oder unlogisches Geplapper zu hören, dann half ihm die Stimme augenblicklich, das Gehörte richtig zu verstehen. Das war manchmal recht lustig, weil der kleine Freund im Ohr sofort losplapperte, wenn beispielsweise jemand einen Satz mit „Sie haben recht, aber...“ begann. Regelmäßig murmelte die Stimme sofort: „Er meint: Nein!“
Oftmals stimmte der Übersetzerfreund den Bauern etwas bekümmert, gerade weil er die eigentlichen Motive seines Gegenübers erfuhr – hinter den schönen Worten. Er konnte nicht zum Metzger gehen, der ihn freundlich mit „Guten Morgen! Wie geht es Dir heute?“ begrüßte, ohne dass der Übersetzer sofort seine Verständnishilfe gab: „Er sagt: Hoffentlich kauft der Geizhals diesmal etwas mehr als sonst...“ Manchmal wünschte sich der Bauer, der Freund in seinem Ohr möge sich hin und wieder Urlaub gönnen. Aber der Übersetzer blieb sein Schicksal und sein treuer Gefährte, auf den er sich immer verlassen konnte.
Unsere kleine Geschichte beginnt, als sich eines Tages alle zehn Bauern des Großen Tals im Dorfwirtshaus versammelten, um der Einladung eines fliegenden Händlers zu folgen und dessen Reden zu lauschen. Auch unser Freund, der zehnte Bauer, war gekommen, um zu hören, was es in der Welt Neues gäbe. Der städtisch elegant wirkende Fremde stellte sich vor als DER VERTRETER und er sei gekommen, um den Anbruch einer gesegneten „neuen Zeit“ zu verkünden und den Landwirten in dieser verträumten, fast vergessenen Weltenecke zur Seite zu stehen, damit auch der Bauernstand am allgemeinen Fortschritt der Menschheit teilhabe.
Er stellte sich vor die Bauern, neben sich ein Tisch, auf dem das offenbar einzige Utensil ruhte, das er mitgebracht hatte - ein tiefschwarz glänzender, auf den Kopf gestellter Zylinderhut. Anflüge von Neugier, verschlossene Skepsis, gespielte Gelassenheit - all das stand in den Gesichtern der Bauern zu lesen. Bevor noch das erste Wort gesprochen wurde, tauchte der Vertreter die Hand tief in den Hut und zog einen schweren Papiersack heraus, der wohl seine 20 Kilo auf die Waage brachte. Mit geübtem Schwung riss er ihn auf, schöpfte eine Handvoll bläulich schimmernder, streng riechender Körnchen hervor, blickte triumphierend in die Runde und summte mit sanftem, bedeutungsschweren Bariton: „Meine Herren, wir haben die Endlösung all Ihrer Probleme ... Kunst-Dünger!“


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